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Pfarrkirche von Kastelruth


Das Alter der Pfarre Kastelruth reicht bis in frühmittelalterliche Zeit zurück, wie man wegen des Patroziniums Peter und Paul vermuten dürfte. In unserem Land sind die Petruskirchen sehr alt und weisen deshalb auf die ersten Zeiten der Christianisierung hin. Zur Urpfarre (plebs Castelrut) – welche im Jahre 1191 erstmals urkundlich nachweisbar erwähnt wurde – gehören die Kirchen und Filialen von St. Michael am Panider Sattel, St. Leonhard in Pufels, St. Magdalena in Tagusens, Waidbruck am Fuß der Trostburg, St. Oswald, St. Vigil im Tale, Seis am Schlern und St. Valentin mit der Seiser Alm. Eigenständige Pfarreien wurden: 1919 Pufels, 1974 Seis am Schlern mit St. Vigil und 1976 Waidbruck. Die ältesten Pfarrgrenzen liegen im Osten beim Grödner Bach und im Westen beim Schwarzgriesbach.
Das Kirchengebäude und der ungewöhnlich mächtige Glockenturm bilden zusammen mit den Gasthöfen, Bürgerhäusern und dem Brunnen des Kirchplatzes eines der schönsten Dorfzentren der Diözese.
Früher hatte unser Dorf eine andere Kirche mit einem spitz zulaufenden Turm. Ein altes Bild zeigt sogar zwei Türme: den großen Kirchturm und noch einen kleineren Turm. Die alte Kirche stand quer zum Dorfplatz. Der Haupteingang war in der Nähe des Torbogens, welcher zum Kofel führt. Rechts vom alten Turm stand die Marienkapelle – die heutige Turmkapelle.
Die alte Pfarrkirche von Kastelruth, ursprünglich ein romanischer Bau, ist 1408 durch einen gotischen ersetzt worden, der 1482 einen erhöhten Chor erhielt. Anfang des 17. Jahrhunderts plante man, da die Kirche zu klein geworden war, für das wachsende Volk einen Neubau, wofür die nötigen Finanzmittel erst aufgebracht werden mussten. Erst 1704 kam es wenigstens zu einer Erweiterung des Kirchenschiffes. Da beschädigte der verheerende Brand vom 24. Mai 1753 Kirche und Turm schwer.
Die heutige Kirche von Kastelruth – ein Beispiel des Wiener Ingenieurstiles – wurde 1846 als gänzlicher Neubau begonnen und 1849 durch Bischof Johannes Nep. von Tschiderer am 21. Oktober eingeweiht. Der Grundriss stellt ein längliches, gegen Nordost gerichtetes Rechteck, an dessen Schmalseite ein quadratischer Vorsprung für den Hochaltar Raum lässt dar. Sechs viereckige Pfeiler teilen den Raum in drei Schiffe, die in den Seiten von Tonnengewölben, im Mittelschiff von Kreuzgewölben überspannt werden. Die Gesamtlänge beträgt innen gut 50 m, die größte Breite 22,5 m, die Höhe 16 m.
Der Entwurf stammt vom Klassizisten Alois Mutschlechner, Bauunternehmer war der Maurermeister Jakob Wolf aus Rattenberg und der Polier Josef Scheiring aus Zirl, der Werksleute aus seiner Heimat zur Arbeit nach Kastelruth holte. Der Dachstuhl ist ein Werk des Kastelruthers Josef Heufler.
Die Kirche – auch „Dom am Berg“ genannt –  wurde vom Turm wegverlegt, der dazwischenliegende Vorplatz gepflastert und mit Pilastern und Ketten abgegrenzt, im Nordosten wurde ein neuer großer Friedhof aufgemauert. Die Kirche wurde fast völlig neu eingerichtet, von der alten Kirche wurden nur der Taufstein, eine Pietà (ca. 1700) und die barocken Seitenstatuen des Hochaltars (Peter und Paul) – wahrscheinlich aus der Werkstatt des Martin Vinatzer – übernommen.
Die Gesamtkosten beliefen sich auf 57.158 Gulden. Der Hochaltar (1887) reicht bis zum Gewölbe. Die Altarblätter (1950) malte Paul Deschander aus Stans (Kanton Unterwalden). Ein Säulenaufbau mit Rundgiebel ist der Rahmen für das Bild; bekrönt wird der Aufbau von einem Relief der Dreifaltigkeit.
Die Wandmalereien und Ornamente haben J. Ranter aus Innsbruck, Lackner aus Kirchberg in Tirol und Max Vogt aus Bayern 1894 geschaffen. Mitarbeiter waren der Kastelruther Ed. Burgauner (1873 - 1913) und I. Stolz.
Die neue Orgel lieferte Alois Schönach von Meran (1949/50). Das Pfeifwerk hat Schönach bei seinem Neubau weitgehend aus der alten Kirche übernommen. Erbauer jener Orgel war der bedeutende Bozner Meister Ignaz Franz Wörle. Mit 29 Registern stellt dieses Instrument die größte zweimanualige Denkmalorgel in Südtirol dar. 

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