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Kastelruther Turm

02-KastelrutherTurm.jpg Der freistehende Glockenturm – das mächtige Wahrzeichen von Kastelruth – wurde (1756 - 1758) nach den Plänen des Brixner Maurermeisters Simon Rieder erbaut, nachdem der alte gotische Turm beim Dorfbrand1753 schwer beschädigt worden war.
In einer Urkunde des Pfarrarchivs vom 11. Juli 1753 heißt es:
„Durch verhanchnus oder durch zulassung Gottes ist am 24. Mai 1753 in alldaigen dorf Castelruth unversöchens  entstanden erschröcklichen (=schrecklich) feuersprunst unter anderen auch von der löblichen s. Peter und Pauli pfarrkirchen, sakristei und thurn, nit nur die völligen bedachungen, sondern auch hochaltar, wie auch die darnöben stehenden unser lieben frauen kirchen gänzlich samt allen, was darinen gewest, verprunnen und in thurn alle acht gloggen völlig zerschmolzen“.
Außer der Behebung der Schäden an der Kirche galt die Sorge vor allem dem Turm und einem neuen Geläute. Es wurden fünf Glocken mit einem Gesamtgewicht von 88 Zentnern bei Graßmayr in Brixen gegossen, darüber hinaus wurde eine große Glocke (60 Zentner) bei JoachimReiß in Bozen bestellt, die aber im notdürftig reparierten Turm nicht geläutet werden konnte und daher in einem Holzturmstumpf warten mußte, bis der 1755 beschlossene Neubau des Turmes so weit gediehen war, dass er sie mit den anderen Glocken, die bisher im alten Turm geläutet worden waren, aufnehmen konnte (Ende 1758).
Es fehlte aber noch der entgültige Abschluss: die Turmkuppel.
Im Ausschussprotokoll vom 22. Oktober 1780 kann man lesen, dass mit Beistand Gottes das Turmkuppelgebäu „zu einem erwünschten und vergnügten Ende gelangt“ sei. So hattte man am wirklich einmaligen Werk des Kastelruther Turms, mit Unterbrechungen, nicht weniger als 25Jahre gebaut.
Die Kosten für Glocken, Turmbau und Kuppel werden, nach den nur fragmentarisch erhaltenen Rechnungen, auf mindestens 12.000 fl. (Gulden) anzusetzen sein. Die von den Kastelruthern geleisteten Fuhr- und anderen Hilfsleistungen sind nicht inbegriffen.
So waren die Mittel der Pfarr- und Gerichtsgemeinde auf Jahrzehnte erschöpft.
Das „Turmgepey“ hat für eine Berggemeinde ungewöhnliche Ausmaße: Der Grundriss misst 11Meter im Geviert, hat eine Mauerstärke von 3Meter und die Höhe beträgt 82 Meter. Der klar gegliederte, wuchtige Turmkörper verjüngt sich nach oben in eine elegant hochgezogene Zwiebelkuppel, welche einen Durchmesser von 10 m hat (vollendet 1780 nach dem Plan von Georg Singer aus Brixen), verdünnt sich dann zu einer Laterne und endigt in einer zweiten, schmalen Zwiebelspitzkuppel, der auf der Kuppelspitze eine Kugel mit Kreuz aufgesetzt ist.
Vom Kastelruther Turm schreibt der ortsgebürtige Historiker Prof. Dr. Leo Santifaller:
„Die Gestalt, der Stil des Turmes, lässt seine Stellung an der Grenze zweier Kunstgebiete, an der Grenze zwischen Deutschland und Italien erkennen. Die große Klarheit der Harmonie im Gesamtaufbau und insbesondere im quadratischen Mauerteil, die strenge Einfachheit (...) lässt ihn uns als Erzeugnis des im 18. Jahrhundert in Italien wieder machtvoll aufkommenden Klassizismus (...) ansehen.“
Im Glockenhausstockwerk hängen neunGlocken. Die Kleinste, „dasSterbeglöcklein, ist aus dem Jahre 1763 erhalten geblieben, während die übrigen dem Ersten Weltkrieg zum Opfer fielen und 1916 vom Turm heruntergeholt und zu Kugeln geschmolzen wurden.
Die acht neuen Glocken, welche 1922 feierlich geweiht wurden und ein Gesamtgewicht von 8.217 kghaben, stammen aus der Glockengießerei Adda in Crema und haben die Harmonie: As C Es F g as c b.

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Die elektrischeAnlage des Geläutes (Herforder Läutemachinen „VOCO“) aus dem Jahr 1931 wurde durch die Firma Nicolussi, Seis, 1985 erneuert.
Die Turmuhr aus dem Jahr 1754 stammt von den Uhrmachern Mathias und Peter Alneider aus Wolkenstein (Gröden).
1980 erfolgte die Neueindeckung der vorher grünen Turmkuppel mit Kupferblech (750 ) durch die Firma H. Mölgg.